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Fakten zum brexit

Fakten zum brexit

Der Ausstieg: Wann ist das alles passiert?

Viele denken, der Brexit sei ein einziger, schneller Prozess gewesen. Tatsächlich zog sich das hin. Der offizielle Austritt fand am 31. Januar 2020 statt. Das war der Tag, an dem das Vereinigte Königreich (UK) formal kein Mitglied der Europäischen Union mehr war. Aber halt, das war noch nicht das Ende der Geschichte. Danach folgte eine Übergangsphase.

Die Übergangsphase und das Handelsabkommen

Von Februar 2020 bis Ende 2020 lief die Übergangsphase. In dieser Zeit galt im Grunde noch alles wie vorher. Das UK war zwar nicht mehr politisch dabei, aber die Regeln für Handel und Reisen blieben weitgehend gleich. Das Ziel dieser Zeit war es, Zeit für die Aushandlung eines umfassenden Handelsabkommens zu gewinnen. Das ist der wichtigste Punkt, den du dir merken musst: Die Art und Weise, wie EU-Länder und das UK nun miteinander handeln, regelt das Handels- und Kooperationsabkommen, das kurz vor Jahresende 2020 finalisiert wurde.

Dieses Abkommen ist der Hauptgrund, warum sich seit dem 1. Januar 2021 vieles im Alltag geändert hat, besonders beim Thema Warenverkehr. Ohne dieses Abkommen hätten nämlich die allgemeinen Regeln der Welthandelsorganisation gegolten – das wäre ein viel härterer Schnitt gewesen. Dieses Abkommen sorgt dafür, dass viele Waren immer noch ohne Zölle zwischen der EU und dem UK gehandelt werden können, aber eben nicht ohne Bürokratie.

Zoll und Handel: Wo du jetzt genauer hinschauen musst

Wenn du kaufst, verkaufst oder einfach nur Waren über die Grenze schickst, hast du die Folgen des Brexit sicher gespürt. Das ist oft der Bereich, in dem die meisten Verwirrung herrscht. Dein alltägliches Online-Shopping ist ein gutes Beispiel.

Neue Regeln für den Warenverkehr

Vor dem Brexit war der Handel zwischen Deutschland und Großbritannien einfach. Stell dir vor, du bestellst ein Buch aus London. Das war ein innergemeinschaftlicher Handel, keine großen Papiere nötig. Jetzt ist es anders.

Die wichtigsten Fakten zum neuen Handelsprozess sind:

• Zollanmeldungen: Jede Ware, die physisch von der EU ins UK geht oder umgekehrt, muss jetzt beim Zoll angemeldet werden. Das heißt, es braucht Export- und Importdeklarationen.

• Ursprungsregeln: Das Handelsabkommen ermöglicht zwar den zollfreien Handel für viele Produkte, aber nur, wenn sie auch wirklich „Ursprung“ in der EU oder im UK haben. Wenn ein deutsches Unternehmen ein Bauteil aus China verbaut und das fertige Produkt nach Großbritannien schickt, kann es sein, dass dort Zölle fällig werden, weil es nicht genug EU-Ursprung hat. Das ist kompliziert für Unternehmen, die globale Lieferketten nutzen.

• Mehrwertsteuer (MwSt.): Für Privatkäufer ist das oft das erste, was auffällt. Wenn du Waren aus dem UK bestellst, musst du nun Einfuhrumsatzsteuer bezahlen, so wie bei einem Kauf aus den USA oder China. Händler im UK müssen oft die britische MwSt. abführen, und EU-Händler müssen sich mit der britischen Regelung für Kleinbeträge auseinandersetzen.

Das bedeutet für dich praktisch: Rechnet bei Bestellungen aus dem UK mit längeren Lieferzeiten und eventuell höheren Endpreisen durch die zusätzlichen Verwaltungsgebühren oder Steuern, die dein Lieferdienst vorstreckt und dir dann in Rechnung stellt.

Reisen und Wohnen: Dein Pass ist wieder wichtig

Wenn du gerne Urlaub in Großbritannien machst oder Freunde dort besuchst, wirst du sofort einen Unterschied bemerkt haben: Dein Reisepass ist wieder dein wichtigster Begleiter.

VIDEO: 10 Facts About No Deal Brexit

Die Reisebestimmungen seit dem Ende der Freizügigkeit

Die Personenfreizügigkeit, also das Recht, einfach mit dem Personalausweis einzureisen und dort zu arbeiten oder zu studieren, gibt es nicht mehr. Das ist ein zentraler Bruchpunkt des Brexit.

Was sich konkret für dich als EU-Bürger geändert hat, wenn du nach Großbritannien reist:

• Gültiger Reisepass: Du brauchst seit Oktober 2021 wieder einen gültigen Reisepass. Dein Personalausweis reicht für touristische Reisen nicht mehr aus. Prüfe unbedingt das Ablaufdatum deines Passes, bevor du buchst.

• Aufenthaltsdauer: Für touristische Aufenthalte bis zu sechs Monaten ist in der Regel kein Visum nötig. Aber Achtung: Du darfst in dieser Zeit nicht arbeiten oder dich selbstständig machen.

• Arbeiten und Studieren: Wenn du im UK arbeiten oder studieren möchtest, benötigst du fast immer ein Visum. Das ist jetzt ein komplexeres Punktesystem, das Großbritannien eingeführt hat. Hier musst du dich frühzeitig informieren, da die Nachweise sehr detailliert sein müssen.

Viele Briten in der EU und EU-Bürger im UK mussten sich ebenfalls um ihren Aufenthaltsstatus kümmern. Wenn du zum Beispiel in Spanien lebst und britischer Staatsbürger bist, brauchst du jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung, um dort dauerhaft wohnen zu bleiben.

Wirtschaftliche Auswirkungen: Was sagen die Fakten?

Die Debatten vor dem Referendum waren emotional und voll von Zukunftsprognosen. Jetzt, ein paar Jahre danach, gibt es erste harte Fakten zur wirtschaftlichen Lage, auch wenn es schwierig ist, den Brexit-Effekt von anderen Krisen, wie der Corona-Pandemie oder der Energiekrise, zu trennen.

Handelsvolumen und Wachstum

Die meisten unabhängigen Studien zeigen, dass der Handel zwischen dem UK und der EU seit dem Brexit zurückgegangen ist. Es ist mehr Reibung entstanden, was Exporte und Importe verlangsamt und verteuert hat. Kleinere Unternehmen, die nicht die Ressourcen für eigene Zollabteilungen haben, spüren das besonders stark.

Ein wichtiger Fakt: Der Handel mit Nicht-EU-Ländern hat zugenommen, was die britische Regierung anstrebte. Ob dieser Zuwachs den Rückgang mit der EU ausgleicht, ist jedoch strittig. Die meisten Analysen deuten darauf hin, dass die gesamte Wirtschaftsleistung (BIP) des UK durch die neuen Handelshemmnisse leicht gedämpft wurde.

Pflichtlektüre

Hervorgehobene Artikel und Quellen zu Fakten zum brexit für deinen Komfort.

Der Brexit und seine Folgen – Aktueller Stand 2024 – Austritt …

Der Einfluss auf Dienstleistungen

Du fragst dich vielleicht: Was ist mit Banken, Versicherungen oder Anwaltsdienstleistungen? Das ist der Bereich der Dienstleistungen, der im Handelsabkommen oft weniger umfassend geregelt ist als der Warenverkehr. Das UK hat seinen Zugang zu den EU-Märkten für Finanzdienstleistungen stark verloren. Das bedeutet, dass viele Banken Teile ihrer Geschäfte von London nach Frankfurt, Paris oder Dublin verlagert haben, um weiterhin reibungslos in der EU agieren zu können.

Die Frage nach Nordirland: Ein Sonderfall

Wenn es um komplexe Fakten zum Brexit geht, führt kein Weg an Nordirland vorbei. Dies ist die größte anhaltende Herausforderung.

Nordirland ist politisch Teil des Vereinigten Königreichs. Es liegt aber auf der irischen Insel, und die Republik Irland ist ein EU-Mitgliedstaat. Die offene Grenze zwischen Nordirland und Irland war ein Grundpfeiler des Friedensprozesses. Ein harter Brexit hätte eine harte Grenze bedeuten können, was niemand wollte.

Die Lösung ist das Nordirland-Protokoll (mittlerweile angepasst zum Windsor-Rahmen). Dieses Protokoll hält Nordirland de facto im EU-Binnenmarkt für Waren. Das hat zur Folge:

• Waren, die von Großbritannien (England, Schottland, Wales) nach Nordirland gehen, müssen Zollkontrollen durchlaufen, weil sie theoretisch in die EU (also nach Irland) weiterverkauft werden könnten.

• Waren, die direkt aus der EU nach Nordirland kommen, haben weniger Probleme.

Das hat zu politischen Spannungen geführt, weil es eine Art Binnengrenze im eigenen Land für einige Bürger geschaffen hat. Die Verhandlungen darum dauern an, aber die Grundstruktur bleibt: Nordirland hat eine Sonderstellung, um die Friedensgrenze zu schützen.

Was bleibt gleich? Die EU-Fakten, die dich weiter betreffen

Trotz aller Veränderungen gibt es viele Bereiche, in denen sich für dich als EU-Bürger wenig oder nichts getan hat, solange du dich nicht beruflich oder dauerhaft in Großbritannien niederlässt.

Denk zum Beispiel an diese Punkte:

• Telefonieren: Roaming-Gebühren sind in der EU (und Nordirland) stark reguliert und geblieben. Im restlichen UK kannst du aber wieder höhere Kosten für dein Handy haben, da die EU-Regulierung dort nicht mehr greift. Prüfe deinen Mobilfunktarif.

• Reisen innerhalb der EU: Für Reisen nach Frankreich, Spanien oder Italien gelten weiterhin die alten EU-Regeln. Der Brexit betrifft nur die Beziehung zwischen der EU und dem UK.

• EU-Rechte: Deine Rechte als EU-Bürger in deinem Heimatland bleiben unberührt. Der Brexit war ein Schritt weg von der EU, er hat die EU-Struktur selbst nicht aufgelöst.

Der Brexit ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess der Anpassung. Es ist wie ein großes Gebäude, das umgebaut wird: Man sieht die Gerüste noch lange, und es gibt immer wieder neue Ecken und Kanten, die man erst beim Einzug bemerkt. Das Wichtigste ist, dass du dich immer auf die aktuellen Reise- und Handelsbestimmungen konzentrierst, die für deinen spezifischen Fall gelten.

häufig gestellte fragen

muss ich als tourist einen reisepass für die uk nutzen?

Ja, seit Oktober 2021 brauchst du für Reisen nach Großbritannien (England, Schottland, Wales) einen gültigen Reisepass. Dein Personalausweis reicht für touristische Zwecke nicht mehr aus. Prüfe immer das Ablaufdatum vor deiner Abreise.

kann ich weiterhin zollfrei im uk einkaufen?

Für Waren bis zu einem bestimmten Wert gab es lange Erleichterungen, aber prinzipiell musst du jetzt Einfuhrumsatzsteuer und eventuell Zoll bezahlen, wenn du Waren aus dem UK in die EU bestellst. Die Regelungen sind komplex und hängen vom Wert und der Art der Ware ab.

haben sich die studienmöglichkeiten für deutsche in england geändert?

Ja, grundlegend. Deutsche Studierende brauchen jetzt meist ein Visum, um in Großbritannien zu studieren. Außerdem sind die Studiengebühren für EU-Bürger oft deutlich gestiegen, da sie nicht mehr als „Heimische“ gelten. Informiere dich unbedingt beim britischen Konsulat über die Visabestimmungen.